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Faszination Koi (Teil 1 erschienen im DATZ 3/2007 und 5/2007)
Koikarpfen erfreuen sich unter Gartenteichbesitzern seit Jahren einer immer weiter zunehmenden Beliebtheit. Die aus Japan stammenden Zuchtkarpfen gibt es heute in mehr als 150 Farbvarianten. Ursprünglich aus dem Niigata Gebiet beheimatet hat der Koi Liebhaber in der ganzen Welt gefunden. Koi Kichi, auf deutsch Koi-verrückt, ist keine Mode-Erscheinung mehr, sondern eher eine Lebenseinstellung geworden. Liebhaber von Koikarpfen pflegen und gestalten häufig neben dem Koiteich einen im asiatischen Stil gestalteten Garten. Neben dem Koiteich zählen insbesondere wunderschöne Gartenbonsai und nach japanischem Vorbild gestaltete Gärten mit großen Steinarrangements und Bambus. Insgesamt ist die Faszination Koi auch eine Faszination sich mit der asiatischen, insbesondere japanischen Kultur und Lebensart auseinanderzusetzen.
Koikarpfen sind aus einer Laune der Natur entstanden. Im Norden Japans, im Niigata Gebirge sind im 18ten Jahrhundert die ersten "Farbkarpfen" aus wilden Karpfen mit auffälligen Rotfärbungen herausgezüchtet worden. Die ersten echten Zuchtformen waren wohl der rot weiße Kohaku und der linienförmig gezeichnete Shusui. Was sich anfangs zu einer regionalen Liebhaberei entwickelte, wurde nach den beiden Weltkriegen durch die weltweite Kommunikation und den aufkommenden Flugverkehr in den 70ger Jahren eine weltweit langsam aufkommende Leidenschaft. Heute stammen nach wie vor die schönsten Koi aus Japan. Dazu kommen Züchtereien in Thailand, Malaysia, Israel und zunehmend auch aus Europa. Nach wie vor ist die höchste Dichte an hochwertigen Fischen begründet durch die Historie und die dort ansässigen Züchter in Niigata/Japan zu finden. Jahr für Jahr reisen im Herbst zur Abfischsaison Koihändler aus aller Welt nach Japan um dort die schönsten aller Koi für den Handel und die Zucht einzukaufen.
Meinen persönlich ersten Kontakt zu Koi hatte ich im Jahr 1990 währen einer Ausbildung zum Fischzüchter. Auf unserer Karpfenzucht wurden Koi in einem Teich als Beifische vermehrt. Die Elterntiere stammten aus Japan und waren schon einige Jahre alt. Jeden Herbst wurden die Becken mit den Koikarpfen nach der Abfischung von begeisterten Koiliebhabern heimgesucht. Was zu dieser Zeit noch eine Last war, es wurden ja immer nur einzelne Fische aus den tausenden Nachkommen herausgepickt, hat später meinen beruflichen Werdegang stark geprägt. Heute importiert unser Unternehmen als Großhandel Jahr für Jahr einige Tausend Original Japan Koi für den Fachhandel. Über die Jahre sind mir die Koi sehr ans Herz gewachsen. Es sind unbestritten die Könige des Gartenteichs. Zu Beginn empfand ich die verschiedenen Zuchtformen als unnatürlich und wusste die Schönheit noch nicht einzuordnen. Heute leuchten einem die Augen wie zu Weihnachten, wenn wir im Herbst nach der Abfischung der Teiche in Japan wieder eine Lieferung erhalten. Die Hauptimportzeit ist der Herbst und das zeitige Frühjahr, bevor die Koi im Frühjahr und Sommer im Handel an Gartenteichliebhaber verkauft werden.
Gesunde Koi können weit über 50 Jahre alt werden. Das ist keine Seltenheit, hängt aber natürlich von einer guten Pflege, bedarfsgerechter Ernährung und Gesundheit der Tiere ab. Während der Eingewöhnung können die Fische an allerhand bakteriellen und parasitären Krankheiten leiden. Eine Folge des Stresses durch Abfischung, Selektion, Transport und erneuter Eingewöhnung. Es ist heute auch aufgrund der gefährlichen Viruserkrankung KHV "Koi-Herpes-Virus" wichtig, Tiere für den Gartenteich aus einem seriösen Fachhandel zu kaufen. Ein Gesundheitszeugnis mit Untersuchung auf KHV und wenn möglich der Nachweis einer ausgiebigen Quarantäne sind unbedingt einzufordern. Wie auch bei anderen Tieren sollte man sich an einen Händler seines Vertrauens wenden und dann auch nur dort die Tiere erwerben. Alle Fische, die wir importieren, durchlaufen eine mehrwöchige Quarantäne und 2 fache KHV Untersuchung. Während der Eingewöhnung erfolgen obligatorisch Behandlungen gegenüber unterschiedlichen Parasiten, die immer auf den Fischen vorhanden sind. Erst danach werden die Tiere in den Verkauf weitergegeben.
Nun, eine schwierige Frage. Bedenkt man den Aufwand, die Selektion und den Seltenheitswert einzelner Spitzenfische, so ist verständlich, dass solche Einzeltiere mit 60 - 80 cm Gesamtlänge durchaus einige tausend Euro kosten können. Doch im Handel und bei Liebhabern werden deutlich preiswertere Fische in großem Umfang gekauft und zu schönen großen Tieren herangezogen.
Preiswerte Koi sind von guten Züchtern bereits mit einer Länge von 10 - 15cm erhältlich. Nur kann man bei dieser Größe noch nicht eindeutig die Endfärbung und Form des Koi erkennen. Daher kaufen viele Liebhaber gerne größere Fische. In der Selektion von 20 - 30 cm sind sehr viele schöne Tiere im Handel erhältlich. Mit mehr Erfahrung und gesteigerten Ansprüchen hinsichtlich Formgebung und Farbe wachsen im Laufe der Jahre die Ansprüche, die den Erwerb großer ausgewachsener Spitzentiere rechtfertigen. Am günstigsten sind Euro Koi, also in Europa gezüchtete Koikarpfen. Diese Fische sind bei weitem nicht so intensiv in der Farbgebung, insbesondere dem Farbton rot, der bei Kohaku, Showa und Sanke so bedeutend ist. Auch die langgestreckte torpedoförmige Form, die einen Koi auszeichnet, wird bei vielen Euro-Koi noch nicht ausreichend erreicht. Weiterhin ist die Stirn der Eurokoi oft durchscheinend, was bei einer weißen Kopfpartie nicht sonderlich schön ist und einen erfahrenen Koiliebhaber von Kauf abhalten wird. Aber unter Euro Koi steigt die Qualität der Fische von Jahr zu Jahr. Es gibt bereits sehr gute einfarbige Eurokoi.
Aus Thailand und Israel werden ebenfalls preiswerte Koi in schönen Farbgebungen in großen Mengen gezüchtet. Achten Sie auf die oben bereits angesprochenen KHV Untersuchung und lassen Sie sich das beim Kauf dieser Koi unbedingt bestätigen.
Die schönsten und wertvollsten Koi stammen nach wie vor aus Japan, dem Ursprung der Koizucht. Daher ist jedes Jahr hier die Nachfrage am größten.
Wie auch in der Aquaristik sollte unbedingt eine Quarantäne von neu erworbenen Fischen eingehalten werden. Dafür eignen sich größere Becken, die aber nicht mit dem Hauptteich in Verbindung stehen sollten! Nach maximal 6 Wochen können die neu erworbenen Fische zu dem bereits vorhandenen Bestand hinzugesetzt werden. In der Zwischenzeit kann prophylaktisch eine Behandlung gegen verschiedene Ektoparasiten wie Hakenwürmer, Ichtyo und bakterielle Erkrankungen (Costia) erfolgen. Der Fachhandel bietet entsprechende Präparate an. Erleiden die neuen Fische aufbrechende Geschwüre ist der Fachhändler und ggf. ein Tierarzt mit einzubeziehen. Hierbei handelt es sich um bakterielle Erkrankungen die im frühen Stadium leicht mit einem Antibiotika geheilt werden können, aber bei fortgeschrittenem Stadium nur noch schwer zu behandeln sind. Gut gepflegte Koi werden aber nur in seltenen Fällen krank.
Koikarpfen sind raschwüchsige Fische, die eine stattliche Endgröße von 60 - 80 cm und mehr erreichen. Daher eignen sich zur Pflege am besten Teiche mit mehr als 20.000l Inhalt. Pro Kubikmeter Teichwasser sollte maximal ein großer Koi gepflegt werden. In der Beschränkung liegt also die Kunst diese Fische erfolgreich zu pflegen. Koikarpfen bewältigen Stress (Lärm, dauernde Veränderungen am Teich etc.) nicht so gut und sollten in einer ruhigen Umgebung mit Rückzugszonen gepflegt werden.
Die Filtration eines Koiteiches erfordert aufgrund des hohen Futterbedarfes einen beachtlichen Aufwand. Es sind unterschiedliche Verfahren zur Filtration auf dem Markt. Richtig eingesetzt, ist fast jedes Filterverfahren geeignet. Grundsätzlich gilt: Ein Filter ist nie zu groß! Klassiker zur mechanisch-biologischen Filtration ist der Einsatz von Mehrkammerfiltern aus GFK oder Kunststoffplatten. Über die jeweiligen Filtermaterialien wird viel diskutiert. Der Einsatz einer Absetzkammer (Vortex) mit nachfolgender Bürstenkammer, danach mehrere Kammern, gefüllt mit diversen Biomedien haben sich über 20 Jahre in der Koihaltung bewährt. Mehrkammerfilter können sowohl "gepumpt" als auch in "Schwerkraft" betrieben werden. Mehrkammerfilter werden am besten imUp-Flow Verfahren betrieben; das Wasser steigt in jeder Filterkammer von unten nach oben durch das Filtermedium. Unten in jeder Kammer befindet sich ein Absetzbereich, der durch Öffnen eines Ventils leicht gereinigt werden kann. Mehrkammerfilter sind preiswert, benötigen aufgrund der Belastung in einem Koiteich aber eine ausreichende Größe. Es sollte bei gutem Fischbesatz ca. 1/3 des Teichinhaltes pro Stunde durch den Filter geleitet werden!
Jeder Filter sollte unbedingt mit einer leistungsstarken UVC-Anlage zur Reduzierung von Keimen im Wasser und zur Unterbindung eines Grünalgenwachstums (Schwebealgen) gekoppelt werden. Dabei rechnen wir mit 3 - 5 Watt pro Kubikmeter Teichwasser als Faustregel. Die Leuchtmittel sollten jedes Frühjahr gegen neue ersetzt werden. Im Winter ist kein UV-Licht erforderlich. Eine zusätzliche Belüftung des Teiches mit einem leistungsstarken Luftkompressor erhöht den Sauerstoffgehalt. Insbesondere im Sommer ist eine starke Belüftung notwendig. Aber auch im Winter hält ein kleiner Kompressor mit einem Luftstein die Teichfläche eisfrei und sorgt für eine ausreichende Sauerstoffversorgung im zugefrorenen Teich.
Ein großes Problem im Koiteich sind Algen. Wie bereits erwähnt sorgt eine UVC Anlage für klares Wasser. Schwebealgen werden durch den Einsatz der UVC Lampe unter Kontrolle gehalten. Durch den hohen Stoffwechsel der Koi und oftmals starken Besatz reichern sich Nitrate und Phosphate im Wasser an. Die Folge ist ein starkes Fadenalgenwachstum, das zu Problemen führen kann. Der Fachhandel bietet eine Reihe von Algenbekämpfungsmitteln an, die im Koiteich häufig zur Anwendung kommen. Verwenden Sie zur Algenkontrolle nur erprobte und umweltverträgliche Präparate wie Tripond Peroxyd, am besten in Verbindung mit einem Phosphatbinder ein. Das Peroxyd Granulat löst die Algen auf, der Phosphatbinder entzieht den Algen den für das Wachstum notwendigen Hauptnährstoff Phosphat. Eine ausreichend dimensionierte Filterung und gelegentlicher Wasserwechsel schaffen ein nährstoffarmes Milieu. Da Koi Wasserpflanzen fressen, sollte ein zweiter kleiner Teich als biologische Pflanzenkläranlage nicht fehlen. Die Pflanzen verarbeiten einen beachtlichen Teil der Ausscheidungen und reduzieren so biologisch das Algenwachstum. Nach ein paar Jahren, wenn sich die Biologie und Vegetation eingependelt hat, kann man weitestgehend auf den Einsatz von Präparaten verzichten.
Auch ein Koiteich freut sich über einen gelegentlichen Wasserwechsel. Der ph-Wert liegt Idealerweise im neutralen Bereich, die Karbonathärte sollte nicht unter Kh 6 fallen. Präparate zu Aufhärten bietet der Fachhandel an, etwa Tripond-Teich Stabil.
Koi sollten bei warmer Witterung mindestens zweimal täglich in ausreichender Menge gefüttert werden. Für die unterschiedlich warmen Jahreszeiten werden bedarfsgerecht unterschiedliche Futtermittel angeboten.
Im Winter bei Temperaturen von 4 - 5 Grad C im Wasser sollte zumindest 1 - 2 mal pro Woche in geringsten Mengen ein Sinkfutter in den Teich gegeben werden, welches am besten zuvor nochmals zerkleinert wurde. Die Fische suchen trotz der Kälte Futter in geringen Mengen und sind im Frühjahr dann deutlich kräftiger und vitaler.
Bei 8 - 10 Grad C. sollte nur in geringen Mengen 2x wöchentlich gefüttert werden (Futter mit hohem Fettanteil). Zwischen 8 - 12 Grad C. eignen sich Wheat Germ Futtermittel mit hohem Anteil an Weizen, Fütterungsintervall 2 - 3 mal pro Woche. Ab 12 Grad C kann man zu einem Staple Futter wechseln, Fütterungsintervall mindestens 1x täglich. Diese Mischung ist ein ausgewogenes Verhältnis aus Weizen, Soja, Mais, Fischmehl und anderen Stoffen.
Bei höheren Temperaturen ab 15 Grad C. kann dann täglich 2 mal ausreichend gefüttert werden. Dann wird gerne mit Spirulina-Algen und Kelp angereichertes Futter eingesetzt, das führt zu einer besseren Farbausbildung und Gesundheit bei Koi. Die Verdaulichkeit ist aber nur bei Temperaturen ab 15 Grad Erfolg versprechend. Ein weiterer Futterzusatz zur Farbverbesserung ist Astaxanthin, das die Rotfärbung verbessert. Die Farbrückstände färben aber auch das Teichwasser gelblich ein. Leckerbissen wie Bachflohkrebse und Shrimps sind bei sommerlich warmer Witterung eine gute Eiweißergänzung, sollten aber nicht der Hauptbestandteil der Nahrung sein (Wasserbelastung). Sowohl original japanische Importfuttermittel (Yamato Nishiki oder Hikari), als auch heimische Futtermischungen wie Tripond Futter sind heute qualitativ gut zur Ernährung von Koi geeignet.
Sind Koi wintertauglich?
Ja, gesunde Koi überwintern bei unseren klimatischen Verhältnissen problemlos. Wichtig ist ein sauberer, gut gefilterter Teich. Auch in Japan, der ursprünglichen Heimat unserer Koi, gibt es sehr kalte Winter! Eisfreihalter können eine kleine Stelle des Teiches zur Fütterung, zum Gasaustausch und zur Kontrolle eisfrei halten. Dort kann auch ein kleiner Belüfter über den Winter Sauerstoff in den Teich blasen. Viele Teichbesitzer heizen den Teich über den Winter auf. Achten Sie dann auf eine ausreichende Isolierung der Teichoberfläche, denn 75% der Wärmeverluste im Teich erfolgen über die Wasseroberfläche!
Welche Koiarten gibt es?
Es gibt eigentlich nur eine Art, die der Fachmann in unterschiedliche Koivarietäten aufteilt. Besonders hervorzuheben ist der Kohaku, Tancho, Showa, Sanke, Yamabuki Ogon, Platinum Ogon, Shiru-Utsuri, Hi-Utsuri, Kujaku und Chagoi.
Man unterscheidet generell vier Grundmerkmale:
- Normale durchgängige Beschuppung und Haut
- Metallicfarbene Haut "Yamato Nishiki"
- Unbeschuppte Haut "Doitsu"
- Glitzernde Schuppen "Ginrin"
Die Vielzahl an unterschiedlichen Farbmustern, es gibt über 60 verschiedene Varietäten, würde den Rahmen eines Berichtes sprengen. Daher stellen wir nur ein paar Koivarietäten in Bildform vor. Wer Interesse an weiterführenden Informationen zu diesen Fischen hat, dem seien folgende Bücher, DVD's und Internetseiten empfohlen
Fachbücher:
Die kleine Koifibel, kleine Einführung in die Koikunde, Koi-Verlag
Nishikigoi Taikan Band 1,Varietäten, Zucht, Züchter, Koi-Verlag
Nishikigoi Taikan Band 2, Aufzucht, Haltungsgrundlagen, Praxis, Koi-Verlag
Der Koi, ausführliches Standartwerk mit Beschreibungen und Garfiken zum Bau eines Koiteiches, Eugen Ulmer
DVD's:
Der Koi Teil 1, Herkunft Zuchtformen, Nahrungen und Krankheiten, Limox
Der Koi Teil 2, Erfahrungen, Teichplanung, Technik, Beispiele und Anregungen aus der Praxis, Limox
Faszination Koi, der König des Gartenteiches, Haltung, Pflege und Wissenswertes, Limox
Quelle: DATZ 3/2007 und 5/2007 www.datz.de






